Aus der Taufe gehoben

Heute habe ich eine fröhliche Landpartie in der Uckermark unternommen und habe mir Kirchen aus dem 13. und 14. Jahrhundert angesehen, die sowohl Feldsteine als auch Ziegelsteine als Baumaterial aufweisen. Eine Handvoll gibt es davon schon in der Uckermark.

Das schönste Beispiel für ein solches Zusammenspiel ist die Heiliggeist-Kapelle in Prenzlau aus der 1. Häfte des 14. Jahrhunderts.

Heiliggeist-Kapelle in Prenzlau

Leider waren wie immer die Kirchen abgeschlossen – bis auf eine, deren Namen ich hier nicht nennen werde.

Im Inneren der Kirche vor dem Kanzelaltar befindet sich ein Taufbecken, von dem ich keine Ahnung habe, in welches Jahrhundert es zu datieren ist. Man könnte glauben, dass es sich um eine Taufbecken aus Plastik handelt.

 

Das Taufbecken erinnert ein wenig an eine auf Antik getrimmte Gartenschale, wie sie häufig vor irgendwelchen Stadtvillen bewundert werden können. Diese Schale steht auf einem dreigliedrigen Sockel, dessen unterer Bereich mit einem goldenen Band verziert ist, das weder einen Eierstab noch einen Mäander darstellt. Also, griechische Antike fällt auf alle Fälle schon einmal aus. In den üblichen kunsthistorischen Ausführungen wie Dehio und Kunstdenkmäler des Landes Brandenburg wird das Taufbecken noch nicht einmal erwähnt.

In der ansonsten nach oben geschlossenen Gartenschale befindet sich mittig eine Vertiefung von vielleicht 20 cm im Durchmesser. Diese Vertiefung ist mit einem silbernen Teller verschlossen.

Lasset die Kindlein zu mir kommen

Dass dieser Teller aus echtem Silber hergestellt wurde, wage ich zu bezweifeln. Wäre er aus Silber, so wäre er vermutlich längst aus der offenen Kirche geklaut worden. In den Rand des Tellers wurde der Satz Jesu „Lasset die Kindlein zu mir kommen“, wie er bei Lukas 18, Vers 16 geschrieben steht, eingraviert.

Nun ist die gesamte Konstruktion des Taufbeckens eine sehr eigenwillige und deshalb passt auch, dass der Teller nicht in die Vertiefung der Gartenschale passt. Der Teller wackelt in alle Richtung, will nicht richtig in der Vertiefung liegen und droht immer wieder das Gleichgewicht zu verlieren. Das geht natürlich gar nicht, wenn ein Kindlein getauft werden soll, denn das Taufwasser wird sich in dieser fragilen Konstruktion nicht auf dem Teller halten.

Was tun?

Ich nahm den Teller aus der Vertiefung und mit dem, was ich dann aus der Taufe hob, hatte ich nicht gerechnet:

 7 Coffee to go – Becher

, welche die Taufschale stabilisieren!

Warum ausgerechnet sieben Becher?

Steht jeder Becher für einen der sieben Tage, an denen Gott die Welt geschaffen hat?

Steht jeder Becher für eine der sieben Todsünden, die in der Taufe abgewaschen werden sollen?

Steht jeder Becher für eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche?

Coffee to go Becher haben längst die Welt erobert, warum also nicht auch die Kirchen. Zumindest ist die Wertschätzung im religiösen Kontext eine höhere, als im profanen Leben, wo die Pappbecher als wertlos erachtet werden und einfach auf der Straße oder im Gebüsch entsorgt werden.

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu “Aus der Taufe gehoben”

  1. Stefan schrieb:

    Jul 24, 23 at 21:23

    Solch erfrischenden Pragmatismus der Kirche wünschte man sich auch in anderen Dingen.


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