Schön

soll Berlin-Neukölln werden und seinen Status als Schmuddel-Bezirk verlieren, weshalb man sich dort so einige Aktionen und Gegenstände einfallen lässt, die für mehr Sauberkeit im Bezirk sorgen sollen. Auf einen dieser Gegenstände bin ich gestern gestoßen:

 

Ein transportabler Aschenbecher.

 

Der Aschenbecher besteht aus zwei ineinander geschachtelten Kartons. Der obere Teil dient als Deckel, um das Loch des eigentlichen Aschenbechers zu verschließen.

Beide Kartons sind aus einem dünnen Hochglanzkarton hergestellt und der Aschenbecher ist innen mit Aluminium beschichtet, so dass, drückt man die Zigarette aus, der Karton nicht Feuer fängt und man sich nicht die Finger verbrennt.

Mit ganz einfachen Worten gesagt, dieses Ding geht überhaupt nicht.

Hochwertige Materialien werden hier für einen Gegenstand verwendet, der sowieso im Mülleimer landet, denn auf einer Längsseiten ist zu lesen:

“Kippe in den Aschenbecher und dann in den Mülleimer.”

Überhaupt kann ich nicht verstehen, warum eine Kampagne, die dem Littering (der Vermüllung) entgegenwirken will, einen Gegenstand in Umlauf bringt, der selbst Müll produziert und dann auch noch Ressourcen verschwendet. Von Abfallvermeidung ist dieser Gegenstand Lichtjahre entfernt.

Ohne Unken zu wollen, vermute ich, dass es dem to-go-Aschenbecher so ergeht wie den Hundekotbeuteln, die eine breite Akzeptanz bei den Hundebesitzern finden, deren Entsorgung aber noch geübt werden muss.

 

Der to-go-Aschenbecher ist ein vollkommen nutzloser, die Umwelt belastender, Gegenstand, auf den man gut verzichten kann, haben doch mittlerweile alle Mülleimer der BSR einen integrierten Aschenbecher.

 

Zum Schluss bleibt mir nur das Fazit, dass wir bereits eine hochentwickelte Wegwerfgesellschaft sind, da wir es uns erlauben können, auch unserem Müll eine Verpackung zu spendieren.

Archäologisch lässt sich anmerken, dass zu Beginn einer Kultur bzw. einer Epoche, Gegenstände zum sinnvollen Gebrauch hergestellt wurden, so zum Beispiel Fibeln oder Gewandnadeln aus Bronze, mit denen Umhänge verschlossen werden konnten. Die Gegenstände erfüllten in der Regel einen ganz profanen Zweck. Am Ende der Bronzezeit, als deren Zenit lange überschritten war, findet der Ausgräber nun Gegenstände, die keinen richtigen Gebrauchswert mehr erfüllen: so gibt es Gewandnadeln, mit denen der Träger hätte Harakiri verüben können; letztlich eine vollkommene Verschwendung von Ressourcen an Prestigeobjekte.

Der hier vorgestellte to-go-Aschenbecher scheint mir in die Kategorie Prestigeobjekt zu gehören und lässt bei mir die Fragen aufkommen, wie reich Berlin-Neukölln sein muss, um solch einen Gegenstand in Umlauf zu bringen und ob unsere Gesellschaft schon ihren Zenit überschritten hat, um derart dekadent zu sein?

 

2 Kommentare zu “Schön”

  1. usch schrieb:

    Okt 11, 17 at 20:26

    Jawoll, recht haste! Nicht nur völlig sinnlos – diese Wegwerfdinger -sondern umweltbelästigend!

  2. Andreas schrieb:

    Okt 12, 17 at 03:21

    Ein weiteres Beispiel von Geldverschwendung, die dazu beiträgt, dass Berlin auf keinen grünen Zweig kommt. Davon einmal abgesehen ist zu vermuten, dass der Hersteller dieses Undings, der mit dem Verkauf an die Stadt natürlich Geld verdient, offensichtlich gute Lobbyarbeit macht, wenn er nicht sogar auf andere Weise mit den Lokalpolitikern verbandelt ist….


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